Campaigning von NGO‘s via WhatsApp

Warum WhatsApp?

Das wichtigste Kommunikationsmedium im NGO-Bereich bleibt nach wie vor die E-Mail. Doch erstens schwindet ihre Bedeutung. Und zweitens bietet WhatsApp Chancen, die man über den traditionellen Weg der Kommunikation nicht findet.

Diese drei Gründe sprechen insbesondere für WhatsApp:

  1. WhatsApp wird immer häufiger genutzt. 30 Millionen Nutzerinnen und Nutzer sind es inzwischen in Deutschland. Schon allein zahlenmäßig kann es sich also lohnen, WhatsApp für das Campaigning im NGO Bereich zu erschließen.
  2. Über WhatsApp wird (noch) überwiegend privat kommuniziert. Damit haben WhatsApp Nachrichten für die Empfängerinnen und Empfänger einen ganz anderen Stellenwert, als eine E-Mail. Und durch die mit einer WhatsApp Nachricht ausgelösten Push-Nachricht aufs Handy werden verschickte Nachrichten auch kaum übersehen. Bei Mails kann das schon deutlich leichter passieren
  3. Virales Potential: Nutzt man WhatsApp um Bilder oder kurze Video-Clips zu versenden, so können Nutzerinnen und Nutzer diese sehr unkompliziert weiter verbreiten: sei es an ihre eigenen WhatsApp Kontakte, als auch in die von ihnen genutzten sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat. Auf diese Weise kann potentiell auch bei einem zunächst geringen Empfängerkreis eine große Reichweite erzielt werden.

Aufbau eines WhatsApp-Kanals im NGO-Bereich

Um sich als NGO WhatsApp als Kommunikationskanal zu erschließen, braucht es zunächst nur ein internetfähiges Smartphone mit einer Sim-Karte. Wenn man bei der Nutzung Wlan zur Verfügung hat, kann man darauf zurückgreifen und spart sich die Kosten für einen Vertrag. Eine Prepaid-Karte reicht dann völlig aus. Auf dieses Smartphone lässt man sich den WhatsApp Messenger herunter und richtet einen Account mit dem Namen seiner NGO und gerne auch dem Logo als Profilbild ein.

Am besten geeignet zur Kommunikation für Campaigning-Zwecke ist die Broadcast-Funktion von WhatsApp. Mit dieser Funktion werden ‚Broadcast-Gruppen‘ erstellt, über die Nachrichten verschickt werden können, die jeder Empfänger und jede Empfängerin dann persönlich erhält. Antwortet die Person auf eine Nachricht, geht diese Nachricht nur an den Absender – nicht an die gesamte Gruppe. Auf diese Weise ist eine sehr schnelle und direkte, aber trotzdem immer zielgerichtete Kommunikation möglich.

Damit ein Broadcast funktioniert, müssen sowohl Absender als auch Empfänger gegenseitig als Kontakt im Adressbuch stehen. Damit könnte die Aufforderung zum Abonnieren der WhatsApp-Nachrichten z.B. so gestaltet sein: ‚Wenn Du regelmäßig und aktuell über unsere anstehenden Aktionen informiert werden willst, dann speichere unsere Nummer (Nummer der NGO) unter (Name der NGO) in Deinem Adressbuch und sende uns eine erste WhatsApp mit dem Wort ‚Start‘.

Der nächste Schritt ist dann, die eingehenden WhatsApp Nachrichten zu öffnen, gegebenenfalls eine erste Begrüßungsnachricht direkt zu verschicken und den Kontakt als Absender dann ins Adressbuch zu übernehmen. Da pro Broadcast-Gruppe nur bis zu 256 Kontakte eingetragen werden können, bietet es sich an, jeweils bis maximal 256 Kontakte unter dem gleichen Kürzel einzuspeichern, also z.B. zunächst 256 Kontakte unter dem Namen A, dann 256 Kontakte unter dem Namen B etc.

Im nächsten Schritt werden die Kontakte dann in Broadcast-Gruppen zusammengefasst. Dafür wählt man bei WhatsApp die Funktion ‚Neuen Broadcast‘ erstellen – und wählt hier für die erste Gruppe alle A-Kontakte aus. Anschließend wird für diesen Broadcast der Name: ‚Info A‘ gewählt. Auf diese Weise lassen sich beliebig viele Broadcast-Listen einrichten, bis alle Kontakte in einer Broadcast-Liste gespeichert sind.

Nachrichten an die eingerichteten Broadcast-Listen lassen sich entweder direkt über das Smartphone versenden – oder man verbindet sein Smartphone über die Funktion ‚WhatsAppWeb‘ mit seinem Rechner. Das kann die Bedienung – gerade wenn man Medien etc. verschicken will – deutlich erleichtern. WhatsApp Web ist als Funktion innerhalb der WhatsApp App beschrieben: Man öffnet auf seinem Rechner den angebotenen Link und scannt den angezeigten QR-Code mit dem Smartphone. Zum Eingeben von Nachrichten öffnet man nacheinander alle eingerichteten Broadcast-Gruppen, trägt seine Nachricht ein und verschickt sie.

Hilfreiche Tipps und Anregungen zur Nutzung

Damit der Kommunikationskanal gut angenommen wird, sollten einige Dinge unbedingt beachtet werden:

  • Nicht zu häufig Nachrichten versenden: WhatsApp ist ein Netzwerk zur privaten Kommunikation. Wer den Eindruck hat, hierüber vollgespamt zu werden mit Informationen, wird die Broadcast Liste schnell wieder verlassen.
  • Spezifische Nachrichten verfassen: Für Nutzerinnen und Nutzer sollte der Mehrwert des WhatsApp Kanals deutlich werden. Das gelingt nicht, wenn man einfach seine für Facebook oder ein anderes Medium geplanten Texte auch via WhatsApp verschickt. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, Menschen direkt anzusprechen und die Nachricht mit einer Aufforderung zu verbinden, z.B. ‚Anbei schicke ich Dir eine Info-Grafik zur Demonstration am nächsten Samstag. Es wäre großartig, wenn Du diese Grafik in Deinen sozialen Netzwerken teilst und an Freunde und Bekannte weiter schickst. Auf diese Weise kannst Du mithelfen, dass wir eine große und bunte Demonstration auf die Beine stellen‘.
  • Keine Einbahnstraßen-Kommunikation: WhatsApp ist kein Distributionskanal, sondern ein Kommunikationskanal. Nutzerinnen und Nutzer werden häufig auf verschickte Nachrichten reagieren. Das sollte man aufgreifen und in Kommunikation treten. WhatsApp lässt sich vor diesem Hintergrund auch gut nutzen, um Stimmungen, Interessen, Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer-Gruppe mit zu bekommen und darauf reagieren zu können.

Und zum Schluss, aber dennoch ganz zentral: Vollkommen zu Recht steht WhatsApp aufgrund seines schlechten Datenschutzes und seiner Einbindung in das Facebook-Monopol bei vielen Menschen in der Kritik. Gerade für NGO‘s kann es deshalb wichtig sein, immer auch eine Alternative anzubieten – über die die gleichen Informationen mit mehr Datenschutz geteilt werden. Eine gute – und nicht aufwändige Option – wäre hierfür z.B. der Messenger Telegram. Innerhalb von Telegram lässt sich ein so genannter ‚Kanal‘ einrichten. Dann wird ein Link bereitgestellt, über den Interessierte die Nachrichten dieses Kanals ‚abonnieren‘ können. Meiner Erfahrung nach nutzen auch im Spektrum der NGO-Aktiven knapp ein Zehntel der Personen solch ein Alternativangebot zu WhatsApp.

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren. Bei Fragen oder Unterstützungsbedarf zu Campaigning via Social Media helfe ich gerne weiter!

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