Das OER-Festival 2016 ist zu Ende: Diskussionsaufschlag zu den nächsten Schritten

Die letzten drei Tage standen mit dem OER-Festival 2016 ganz im Zeichen des Austauschs zu freien Bildungsmaterialien. Darüber hinaus sind zwei neue Studien veröffentlicht: erstens die Machbarkeitsstudie des DIPF; zweitens der Praxisrahmen von Wikimedia. Vor dem Hintergrund von all diesem Input, zahlreichen spannenden Gesprächen und neuen Erkenntnissen finde ich für die nächste Zeit im Kontext der freien Bildungsmaterialien drei Schritte wichtig:

1. OER-Nutzung breiter im Bildungssystem verankern.

Das große Interesse am OER-Festival und die Beteiligung und Unterstützung durch viele und vor allem auch sehr vielfältige Organisationen und Initiativen hat eindrücklich gezeigt, dass das Thema der freien Bildungsmaterialien in der bildungspolitischen Debatte angekommen ist. Das ist ein großer Erfolg. Verkehrt wäre es nun, sich auf diesem Erfolg auszuruhen und sich in der – trotz ihres beachtlichen Zuwaches doch immer noch überschaubaren – Community gemütlich einzurichten. Stattdessen muss es jetzt darum gehen, OER zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Lehrens und Lernens in allen Bildungsbereichen zu machen. Sinnvoll fände ich hierzu vor allem die Idee, Lehrerinnen und Lehrer für die OER-Erstellung zum Teil freizustellen, wie es in Baden-Württemberg bereits erfolgt ist und in Berlin diskutiert wird. An den Hochschulen könnten OER in Drittmittel-Projekten berücksichtigt werden. In der beruflichen Bildung sowie in der Weiterbildung im Rahmen von Förderungen oder bei der Gestaltung von Ausbildungsverbünden und überbetrieblichen Ausbildungsstätten. All diese Ideen zielen darauf ab, OER ins bestehende und überwiegend öffentlich finanzierte Bildungssystem zu integrieren und mit der praktischen Arbeit von Lehrenden zu verknüpfen.

2. Nicht nur Inhalt, auch Didaktik: für eine offene Bildungspraxis!

#OERde16 war das Festival zu freien Bildungsmaterialien. Damit ging es vorrangig um Fragen der Erstellung, Verbreitung, Qualitätssicherung, Weiterverarbeitung oder Lizenzierung der Materialien an sich. Mit diskutiert wurden zum Teil auch Fragen der Didaktik. Um das Potential von OER aber zukünftig voll auszuschöpfen, wünsche ich mir, dass dieses Thema zukünftig ein viel größeres Gewicht erhält. Statt hauptsächlich über OER zu reden, braucht es aus meiner Sicht vor allem auch mehr Debatten zu OEP (Open Educational Practices): Wie lässt sich mit OER ganz praktisch auf einen individualisierteren Unterricht hinwirken? Auf welche Art und Weise können mit OER Lernende stärker eine aktive Rolle im Rahmen von Bildungsprozessen spielen? Wie lassen sich kooperative Lernformen durch OER verbreitern? Erst wenn wir diese Fragen beantworten, kann mit OER tatsächlich ein Beitrag geleistet werden zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Allein durch den freien Zugang zu Bildungsmaterialien wird das nicht gelingen. Denn erfolgreiche Lernprozesse benötigen nicht in erster Linie Material, sondern vor allem eine entsprechende didaktische Gestaltung. Anders ausgedrückt: offener Zugang zu Material führt nicht automatisch zur Teilhabe an Bildung! Entscheidend ist, dass das Rad dabei nicht neu erfunden werden muss: Es gibt zahlreiche gute und sinvolle didaktische Konzepte in diese Richtung. Was fehlt, ist ihre Verknüpfung mit OER. ZUdem können OER mit dazu beitragen, diesen Konzepten zu ihrer Umsetzung in der Praxis zu verhelfen.

3. Remix besser ermöglichen

Eng mit der didaktischen Einbettung verbunden, ist der Aspekt, dass freie Bildungsmaterialien auch deshalb so eine gute Idee sind, weil man sie nicht nur frei verwenden, sondern auch den eigenen Anforderungen entsprechend weiterbearbeiten und neu zusammenstellen kann. Dieser „Remix“ - so habe ich es aus zahlreichen Workshops und Diskussionen mitgenommen – spielt bislang allerdings häufig eine nur geringe Rolle bei der Arbeit mit OER. Das Problem ist hier oft, dass das Material zwar unter einer freien Lizenz steht, aber die Formate keine Weiterbearbeitung erlauben. Während das bei reinem Text noch sehr unproblematisch zu ändern ist, stellt sich bei aufwändigeren Medien sehr schnell die Frage nach dem zu verwendenden Programm. Nicht jeder hat beispielsweise das Programm Indesign zur Verfügung, um einen als OER veröffentlichten Flyer weiterzubearbeiten. Hier wäre es sinnvoll, die Verbreitung von Open Source Software auch mit durch OER-Akteure zu befördern. Open Source Software könen alle kostenfrei installieren. Nötig ist aber eine Information über die existierenden Angebote und vor allem eine entsprechende Anleitung aus einer pädagogischen Sicht dazu. Diese Informationen könnten mit der Veröffentlichung von OER zur Verfügung gestellt werden.

PS. Mein ganz praktischer 'Merkzettel' vom Festival – mit ein paar Punkten/ Ideen, die ich gerne weiterverfolgen möchte ...

  • Ich war überrascht, wie weit die technische Infrastruktur für OER Projekte bereits vorangeschritten ist. Spannend fand ich vor allem die Vorstellungen von Edu-Sharing und dem Projekt Edutags. Hier möchte ich versuchen, diese Projekte stärker auch an den non-formalen Weiterbildungsbereich anzudocken. Super für mich wären hierzu vor allem entsprechende Plugins für Drupal.
  • Schon seit längerem bin ich Unterstützerin des Bündnis freie Bildung. Auf dem OER-Festival war nun endlich einmal Gelegenheit für eine ausführlichere Diskussion. Gerne möchte ich mich hier zukünftig stärker einbringen, um mit dazu beizutragen, dass die OER-Community in Politik und Gesellschaft besser gehört wird.
  • Ich hatte ein interessantes Gespräch zu OER in der beruflichen Bildung. Bereits im Praxisrahmen von Wikimedia sind wir zum Schluss gekommen, dass für OER in diesem Bereich noch viel getan werden kann. Gerne möchte ich hier den aktuellen Diskussionstand aufgreifen und darauf aufbauend weiter arbeiten. Eine Idee war hier eine Art Leitfaden / Tutorial für Ausbilder mit dem Fokus: „Wie lässt sich das Internet zum Ausbilden nutzen?“
  • In mehreren Sessions haben wir festgestellt, dass zwischen Open Source Software und OER noch recht wenig Verbindungen bestehen. Gerade aber um Remix von OER auch mit durch offene Formate besser zu unterstützen (siehe oben), wäre es toll, hier mehr Brücken zu schlagen. Eine erste praktische Idee war eine medienpädagogische Übersicht zu erstellen mit empfehlenswerter Open Source Software.

Und das wichtigste zum Schluss: Bedanken möchte ich mich bei den Organisatoren und bei allen Beteiligten der vergangen drei Tagen. Das OER-Festival war bereichernd, informativ und einfach toll!

Machbarkeitsstudie des DIPF; zweitens der Praxisrahmen von Wikimedia. Vor dem Hintergrund von all diesem Input, zahlreichen spannenden Gesprächen und neuen Erkenntnissen finde ich für die nächste Zeit im Kontext der freien Bildungsmaterialien drei Schritte wichtig:

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