Gelernt beim OERCamp München: wer ist wer?

Hinter der Bezeichnung OERCamp verbirgt sich ein Treffen für Macher und Multiplikatoren von freien Bildungsmaterialien. Dieses Jahr gibt es gleich viermal die Möglichkeit für Austausch: In Süd (München), West (Köln), Nord (Hamburg) und Ost (Berlin). Los ging es am letzten Wochenende in München. Spannend war für mich diese erste OERCamp des Jahres vor allem vor dem Hintergrund, dass ich in Sessions und in Pausengesprächen einen besseren Überblick darüber gewinnen konnte, wer jetzt eigentlich gerade was zum Thema OER macht.

Da ist als erstes – weil am meisten diskutiert und mit den größten Erwartungen konfrontiert – die OERInfo-Stelle. Sie ist vom Bundesbildungsministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiiert und finanziert. Angeboten/ getragen wird sie von mehreren Organisationen insbesondere dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, dem Deutschen Instititut für Erwachsenenbildung, der Agentur Jöran & Konsorten, die in der OER-Infostelle den früheren Blog der Transferstelle OER fortführt. Zentrale Aufgabe der OER-Info-Stelle ist - wie am Namen bereits erkennbar - über OER zu informieren. Daneben versucht sie einen Überblick über aktuelle Entwicklungen zu behalten, um bei Anfragen an jeweils geeignete Ansprechpartner weiter verweisen zu können. Es gibt verantwortliche Personen für die Bildungsbereiche Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung.

Der zweite große Player ist Jointly: hier geht es weniger um Information und die Ansprache neuer Zielgruppen, sondern um kollaborative Erarbeitung von Konzepten und Materialien für OER. Unter anderem wird hier über technische Ideen diskutiert und nach Möglichkeiten der Umsetzung gesucht, ebenso werden Materialien für die OER-Qualifizierung gemeinsam erstellt und für alle zur Nutzung angeboten. Organisiert ist die Arbeit von Jointly in zahlreichen Arbeitsgruppen, die unterschiedlich aktiv sind. Ich hatte ursprünglich angenommen, dass Jointly ‚nur‘ ein Unterstützungsprojekt für andere BMBF-geförderte Qualifizierungsprojekte ist. Dem ist aber nicht so; die Mitarbeit steht allen Interessierten offen und ist sehr gewünscht!

Die in diesem und Anfang des kommenden Jahres laufenden BMBF-geförderten Qualifizierungsprojekte sind dann der dritte große Bereich in der aktuellen OER-Landkarte: gefördert werden hier Qualifizierungen zur Nutzung von OER, vorrangig (aber nicht nur) für den schulischen Bereich.

Diese BMBF-gefördeten Projekte sind aber längst nicht die einzigen OER-Initiativen. Auch über sie hinaus und parallel zu ihnen passiert weiterhin eine ganze Menge. Allen voran sind hier die zahlreichen ‚OER Startups‘ zu nennen, die in unterschiedlicher Art und Weise und mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen versuchen, die Erstellung, Verbreitung oder Nutzung von OER zu unterstützen. Beispiele sind hier unter anderem Tutory – ein Online Editor für Arbeitsblätter unter Nutzung von OER, die dann wiederum als OER bereitgestellt werden können – inklusive zahlreicher Möglichkeiten für Kollaboration. Oder memucho – eine Online-Plattform, in der man Zugriff hat auf zahlreiche OER zu unterschiedlichen Themen und in unterschiedlichen Formaten, die man sich zu Fragesätzen zusammenstellen und sich abfragen lassen kann. Auch die Erstellung eigener Materialien ist möglich.

Daneben existieren weitere und zahlreiche Basis-OER-Initiativen: am bekanntesten sicherlich die ZUM – Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet. Hier erstellen Lehrende für andere Lehrende in einem Wiki Unterrichtsmaterialien unter freien Lizenzen.

Nach München angereist war ich vor allem für das Bündnis freie Bildung, das in dieser Auflistung auch nicht fehlen darf. Dahinter verbirgt sich die politische Lobby für freie Bildung. Im Bündnis wollen wir die OERCamps nutzen, um Forderungen an die Bildungspolitik zu sammeln: welche Rahmenbedingungen sind nötig und was muss sich ändern, damit die Erstellung, Verbreitung und Nutzung von OER gut gelingt? Auf der Website des Bündnis freie Bildung habe ich von den Workshop-Ergebnissen in München berichtet.
In all diesen Projekten und auch darüber hinaus sind Menschen aktiv, die sich für freie Bildungsmaterialien begeistern und ihre Erstellung, Nutzung und Verbreitung durch Beratung, Qualifizierung, Information, technische Tools – oder auch einfach durch eigene Material-Erstellung – unterstützen. Für die zweite OERCamp Station in Köln an diesem Wochenende haben sich rund 200 Personen angemeldet. Ich freue ich sehr auf den Austausch und viele neue Ideen!

Lizenzhinweis

Dieser Inhalt ist offen und steht Dir damit zur Weiterverwendung frei zur Verfügung. Bitte gib dabei den folgenden Lizenzhinweis an:

Der Inhalt Gelernt beim OERCamp München: wer ist wer? aus dem eBildungslabor steht unter der Lizenz CC BY 4.0

Als HTML-Code zum Einbetten:

Der Inhalt <a href=http://www.ebildungslabor.de/blog/gelernt-beim-oercamp-münchen-wer-ist-wer>Gelernt beim OERCamp München: wer ist wer?</a> aus dem <a href=http://www.ebildungslabor>eBildungslabor</a> steht  unter der <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">Lizenz CC BY 4.0</a>