Offene Bildungsformate in der Bildungsarbeit von Nichtregierungsorganisationen

Das Thema 'Offene Bildung' nimmt in der gesellschaftlichen Diskussion immer weiter an Fahrt auf. Bereits im Frühjahr diskutierte der Bundestag ausführlich über das Thema, mehrere Konferenzen folgten bzw. sind in Planung, Vernetzungsinitiativen werden angestoßen und die Forschung zum Thema wird ebenfalls fortgesetzt. Wenn es um die praktische Umsetzung von offener Bildung geht, so liegt der Fokus in der Debatte bislang allerdings zumeist auf dem Bereich der institutionalisierten Bildung; und hier insbesondere auf Schule und Hochschule. Im folgenden werbe ich dafür, das Potential freier Bildung auch für die non-formale Bildung weiter zu erschließen. Meine These ist, dass gerade die Bildungsarbeit von Nichtregierungsorganisationen auf diese Weise optimal weiter entwickelt werden kann.  

Um diese These zu begründen, beginne ich mit einem Blick auf die aktuell gängige Bildungsarbeit von Nichtregierungsorganisationen. Erfreulicherweise gibt es in den meisten Organisationen in diesem Bereich zahlreiche Aktivitäten. Unter anderem finden sich die folgenden Ansätze:

  • Publikation von Print- oder Online-Materialien (Flyer, Broschüren, Fact-Sheets, Artikel – zum Teil auch Audio- und Videoclips etc.)
  • Erstellung von Unterrichtshilfen / - beispiele / -vorlagen
  • Angebot von – zum Teil digital unterstützen – Fortbildungsangeboten wie thematischen oder methodischen Seminaren bzw. Multiplikatorenschulungen.

All diese Ansätze werden durch die Integration von Elementen offener Bildungspraxis nicht obsolet, sondern werden verbessert, indem sie eine neue Qualität erhalten. Dazu gehört vor allem, dass die Bildungskultur hin zu einem zeitgemäßen Lernen verändert wird, dass die Reichweite der Bildungsangebote vergrößert wird und dass die Organisation selbst im Rahmen ihrer angebotenen Bildungsprojekte stärker zu einer lernenden Organisation wird. Durch das Mitdenken einer offenen Bildungspraxis kann diese Qualität erreicht werden.

Als erstes Beispiel einer freien Bildungspraxis möchte ich auf offene Bildungsmaterialien hinweisen. Wenn die eigenen Bildungsmaterialien unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden, können sie einfacher weiter verbreitet werden. Darüber hinaus kann es insbesondere auch möglich sein, diese weiter entwickeln zu lassen. In der bildungswissenschaftlichen Diskussion werden solche Materialien als Open Educational Resources (OER) bezeichnet.

In der praktischen Umsetzung könnte dieser Schritt für eine Nichtregierungsorganisation bedeuten, dass entweder die bisher bestehenden Bildungsmaterialien entsprechend aufbereitet werden oder dass gezielt offene Bildungsressourcen zu den jeweils zentralen Themenfeldern produziert werden. Diese können dann in bestehende und zurzeit zahlreich entstehende OER-Plattformen eingespeist werden. Diese OER-Plattformen entwickeln sich immer mehr zu einer Anlaufstelle für Lehrer im Schulbereich und in anderen Institutionen. Sie erhalten hier Materialien, die sie in ihrem Unterricht einsetzen könnten. Sehr weit fortgeschritten ist zurzeit beispielsweise bereits die OER Plattform in Berlin.

Diese Vorgehensweise ermöglicht es somit der jeweiligen Organisation, ihre eigenen Positionen besser zu verbreiten, weiter zu entwickeln und insgesamt gute Bildung zu unterstützen.

Ein weiteres Beispiel im Bereich einer offenen Bildungspraxis ist das Angebot von offenen Online-Kursen. Diese stellen eine optimale Ergänzung zu Präsenzseminaren dar, weil sie potentiell eine sehr große Reichweite haben können, ergänzende oder einführende Informationen zu einem Thema bieten können und weil damit auch neue Ansätze für die Organisation selbst entwickelt werden können. In der bildungswissenschaftlichen Diskussion spricht man von offenen Online Kursen als MOOC's (Massive Open Online Courses). MOOCs zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass die Beteiligung daran sehr niedrigschwellig und ohne Kosten allen Interessierten möglich sein soll. In einem Zeitraum von ca. 6 Wochen können die Teilnehmer in einem MOOC über ein bestimmtes Thema Informationen erhalten. Darüber hinaus können sie auch dazu aufgerufen werden, die erhaltenen Informationen zu reflektieren und sie im Austausch mit anderen gemeinsam weiter zu entwickeln. Durch ein entsprechendes didaktisches Konzept eines MOOOs kann sichergestellt werden, dass die Diskussionen moderiert sind, die Online-Beteiligung spannend ist und die Ergebnisse gesichert werden. Auf diese Weise werden nicht nur die jeweiligen Positionen der Organisation einer breiten Öffentlichkeit bekannter gemacht, sondern auch die Organisation selbst. Darüber hinaus kann es für die Organisation spannende neue Denkanstöße geben.

Diese beiden Beispiele zeigen grundsätzlich das Potential einer freien Bildungspraxis für die Bildungsarbeit von Nichtregierungsorganisationen. Wie genau die Bildungsstrategie gestaltet wird, muss im Einzelfall diskutiert und konzipiert werden. Mit dem eBildungslabor biete ich hierfür gerne meine Unterstützung an.

Lizenzhinweis

Dieser Inhalt ist offen und steht Dir damit zur Weiterverwendung frei zur Verfügung. Bitte gib dabei den folgenden Lizenzhinweis an:

Der Inhalt Offene Bildungsformate in der Bildungsarbeit von Nichtregierungsorganisationen aus dem eBildungslabor steht unter der Lizenz CC BY 4.0

Als HTML-Code zum Einbetten:

Der Inhalt <a href=http://www.ebildungslabor.de/blog/offene-bildungsformate-der-bildungsarbeit-von-nichtregierungsorganisationen>Offene Bildungsformate in der Bildungsarbeit von Nichtregierungsorganisationen</a> aus dem <a href=http://www.ebildungslabor>eBildungslabor</a> steht  unter der <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">Lizenz CC BY 4.0</a>