Perspektive Podcast?

Podcasts können in unterschiedlichen Formaten und Szenarien zum Lehren und Lernen verwendet werden. So können sie reine Audio- bzw. Enhanced-Podcast sein oder als Video-Podcast mit einem visuellen Kanal in bewegter Form gestaltet werden. Man kann sie zur Unterstützung und Begleitung eines traditionellen Seminars oder einer Vorlesung einsetzen oder als zusätzliches Angebot zur Präsenzlehre. Darüber hinaus kann ihr Einsatz auch rein virtuell sein. Schon allein aufgrund dieser vielfältigen Möglichkeiten bietet es sich an, sich näher mit Podcasts zu beschäftigen. Schnell stößt man dann auch auf psychologische und mediendidaktische Gründe, die für ihre Verwendung sprechen.

Aus einer psychologischen Perspektive steht die Frage im Fokus, wie digitale Medien den kognitiven Lernprozess im Rahmen der Interaktion zwischen Lerner und Medium unterstützen können. Das zentrale Motiv für den Einsatz von Podcasts aus dieser Perspektive ist die mögliche Nutzung der bei einem Podcast vorhandenen weiteren Sinneskanäle. Hintergrund hierfür ist, dass in der Wissenschaft davon ausgegangen wird, dass Lernende über das Lesen lediglich 10 Prozent, über das Hören dagegen bereits 20 Prozent und über das Sehen sogar 30 Prozent an vermitteltem Wissen behalten können. In der Praxis spielen Podcast vor dem Hintergrund des bei ihnen im Vergleich zu anderen Medien mindestens zusätzlich vorhandenen Audio-Kanals vor allem in den Bereichen eine Rolle, in denen dieser Kanal für das Lernen von offensichtlicher Bedeutung ist. So werden Podcasts beispielsweise im Bereich des Fremdsprachenlernens eingesetzt oder im Musikunterricht.

Aus einer mediendidaktischen Perspektive kann der Einsatz von Podcasts insbesondere damit begründet werden, dass sich auf diese Weise innovative Lehr-und-Lernformen befördern lassen. Hier besteht erstens die Möglichkeit, dass Podcast durch die Lernenden selbst gestaltet werden können. Sie stellen in diesem Fall eine Aufgabenstellung dar, die bei den Lernenden die intensive Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema befördert und sich auch kollaborativ als Gruppenarbeit durchführen lässt. Bei einer entsprechenden Gestaltung können Podcasts bei dieser Verwendung Bestandteil eines projektorientierten Lernens sein, da Lernende im Rahmen ihres Lernprozesses mit dem Podcast ein konkretes Produkt als Ergebnis gestalten. Neben der Auseinandersetzung mit dem Thema wird zugleich der Erwerb von Medienkompetenz unterstützt.

Zweitens sind Podcasts im Rahmen einer „Pädagogik der Navigation“ ein wertvolles Angebot. Lehrende finden in diesem Konzept nicht mehr vorrangig als Vermittler von Wissen ihre Rolle, sondern als Gestalter bzw. Unterstützer bei der Gestaltung von virtuellen Lernumgebungen. Der Lernende kommt dagegen in die Position, seinen eigenen Lernprozess im Austausch mit anderen zu organisieren und zu gestalten. Podcasts können in diesem Konzept die Funktion von kleinen Lerninhalten einnehmen, die den Lernenden die Tür zum selbstgesteuerten Lernen aufstoßen, um die gestellten Lernziele zu erreichen.

All dies sind sehr gute Gründe, die für den Einsatz von Podcasts im E-Learning sprechen. Für wenig zielführend würde ich es dagegen halten, die Einführung von Podcasts vorrangig aus dem ökonomischen Motiv einer erhofften Kosteneinsparung voranzutreiben. Diese Gefahr besteht unter anderem im Hochschulbereich, wo Vorlesungsaufzeichnungen als Podcasts gestaltet leicht als Vorwand genutzt werden können, um Kosten für reale Vorlesungen und Seminare einzusparen. Doch gute Bildung kostet Geld. Das gilt für Bildungsangebote, die Podcasts oder andere digitale Medien nutzen ebenso, wie für die nicht-digitale Bildung.

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