Nele HirschZeitgemäße Bildung | Offenheit | Netzkultur

Selbstlernmodul zu ‚Fake News‘

Überblick

Das Ziel des Moduls ist es, eine (neue, erweiterte?) Betrachtung auf das Thema ‚Fake-News‘ zu erlangen und auf dieser Grundlage eigene Fortbildungen und Lernangebote zu gestalten.

‚Fake News‘ sind – gerade jetzt im Wahlkampf – ein oft aufgerufenes Thema im Bildungskontext. In diesem Modul versuche ich mich an einem umfassenden Ansatz, der ausgehend von unserer vernetzten Gesellschaft gedacht wird. Vier Lernziele sind hier aus meiner Sicht vor allem entscheidend:

In diesem Modul findest du eine Orientierung zu allen vier Lernzielen.

Der Begriff ‚Fake News‘

Bevor wir starten noch ein paar Worte zur Begrifflichkeit: Der Begriff ‚Fake News‘ stößt zum Teil auf Kritik. Die folgende Grafik verdeutlicht präzisere Begrifflichkeiten.

Ich habe den Begriff zur Bezeichnung des Moduls dennoch verwendet (nutze ihn aber oft in Anführungszeichen), da er in der pädagogischen Debatte und insbesondere in der Medienbildung häufig anzutreffen ist.

Anleitung zum Lernen

Das Modul ist überwiegend zum Selbstlernen und selbstständigem Weiterdenken/ Weiterentwickeln angelegt. Für das für das Modul verfügbare Zeitbudget schlage ich Dir die folgende Aufteilung vor:

  • 1/4 der Zeit: Durchsehen der eingestellten Inhalte und Orientierung in Hinblick auf die verlinkten Websites und Tools in Deinem eigenen Tempo und zu den von Dir gewählten Zeiten.
  • 1/2 der Zeit: Eigene Überlegungen/ Weiterentwicklungen für den Einsatz im Unterricht bzw. für eigene Fortbildungen. Leitfragen können hier sein: Was von den vorgestellten Inhalten kann ich wie an andere Lehrkräfte weitergeben? Was will ich aus den vorgeschlagenen Themen wie im Unterricht zum Einsatz bringen? Was sehe ich anders bzw. möchte ich ergänzen? Auch diesen Bereich kannst Du für Dich selbst organisieren und gestalten. Es erfolgt keine Kontrolle oder ähnliches. Wenn Du Unterstützung benötigst bzw. mit mir gemeinsam beratschlagen willst, dann freue ich mich über Deine Nachricht.
  • 1/4 der Zeit: Gemeinsame Videokonferenz am 22. September und evtl. Nachbereitung.

Sollte für Dich eine andere Zeiteinteilung sinnvoller sein, dann ist das natürlich ebenfalls möglich. Das entscheidest Du!

Im Anschluss an die zunächst folgende Darstellung der vier Lernziele habe ich eine kollaborative Liste mit Tools, Websites, Literatur und Lernangeboten angelegt, die Du gerne ergänzen kannst. Hier ist auch Raum, um Deine eigenen Weiterentwicklungen und Materialien zu teilen, falls Du Austausch dazu suchst.

Nun wünsche ich viel Freude beim Durchsehen und freue mich auf den Austausch!

Lernziel 1: Ich kann bewusst entscheiden, was ich mir ansehen möchte.

Um was geht es in diesem Lernziel?

Sich im Netz zu ‚verlieren‘, kennst Du wahrscheinlich aus eigener Erfahrung: Du klickst einen Link an – und kaum hast Du Dich versehen, bist Du schon von einer Website zur nächsten gesprungen und wieder ist der halbe Nachmittag vorbei … Für dieses Phänomen gibt es mehrere Ursachen:

  • Die Hyperlink-Struktur des Netzes ermöglicht eine selbstgewählte und sehr schnelle Verfolgung eines bestimmten Themas, wie auch jede Menge Neben-Themen. Anders als bei einem Buch, in dem ich höchstens mal ein paar Seiten überblättern bzw. vor und zurückblättern kann, kann ich mich im Internet wie in einer ‚Netzstruktur‘ sehr offen bewegen – aber eben auch verlieren.
  • Im Internet wird sehr viel mit ‚Clickbaiting‘ gearbeitet. Auch wenn es oft nicht so extrem gestaltet wird, wie auf obskuren Ratgeber-Websites (’10 Tipps für schnellen Reichtum – Tipp 3 bringt Dir täglich 2.000 Euro ein‘), so werden auch sehr viel seriösere Überschriften immer mit dem Ziel geschrieben, dass der Artikel/ das Video/ der Podcast … für Menschen spannend ist und sie das Angebot anklicken.
  • Die Betreiber*innen von Internet-Plattformen haben ein Interesse daran, dass Menschen sich möglichst viel auf ihrer Seite bewegen. Insbesondere Social Media Anwendungen sind deshalb so gestaltet, dass man die Plattform immer wieder öffnet und nachsehen will, was es Neues gibt bzw. ob jmd auf eigene Beiträge reagiert hat.

Lösung: Stopp sagen!

Um dieser ‚Verirrung‘ im Netz entgegen zu wirken, gibt es eine einfache Regel: Sage Stopp!

Das bedeutet also: Bevor du – aus Gewohnheit oder Neugierde – auf irgendeinen Link klickst, solltest Du dir die Frage stellen: Möchte ich wirklich diese Website öffnen? Will ich den Artikel lesen/ das Video ansehen/ das Audio anhören? Hat das Thema für mich Relevanz? Will ich mich weiter damit auseinandersetzen?

Wenn Du auf diese Fragen nicht mit einem sehr überzeugten ‘Ja’ antwortest, dann leg dein Gerät schnell wieder beiseite oder investiere deine Bildschirmzeit lieber in etwas, das du selbst auswählst und das dich tatsächlich interessiert. Dieser ‚Stopp-Tipp‘ ist übrigens auch dann hilfreich, wenn du schon mitten in den Tiefen des Internets unterwegs bist. Hier gilt: Besser ein spätes ‚Stopp‘, als gar keins.

(Zugleich gilt: Eher ziellos im Netz zu surfen kann auch sehr produktiv sein, wenn man sich bewusst Zeit nimmt, um Neues zu entdecken. In diesem Fall handelt es sich aber nicht um eine Verirrung, weil die ziellose Suche ganz bewusst gewählt und dann wahrscheinlich auch zeitlich begrenzt ist.)

Wie lässt sich dieses Lernziel lehren?

Um mit einem Stopp einer ‚Verirrung‘ entgegen zu wirken bzw. um sich bewusster durch das Internet zu bewegen, können verschiedene Ansätze, Tools und Methoden helfen. In Lernprozessen lassen sich diese gemeinsam mit Lernenden erkunden und reflektieren.

  1. Selbstbeobachtung und Reflexion: Alle schreiben für sich über einen bestimmten Zeitraum auf, wie sie das Internet nutzen. Im Anschluss wird über dieses ‚Medientagebuch‘ gemeinsam reflektiert. Eine schöne Übung ist es auch, dass sich zwei Personen gegenseitig beim Surfen z.B. über eine halbe Stunde beobachten. Die eine Person darf surfen, wie sie es auch allein täte. Die andere Person verfolgt die Bildschirmaktivitäten mit und protokolliert: Wie bewegt sich die andere Person durch das Netz? Welchen Links folgt sie? Wo bleibt sie hängen? Wo springt sie weiter?`Auch diese ‚Protokolle‘ können dann gemeinsam reflektiert werden.
  2. Anti-Ablenkungsmethoden: Ein erster Schritt zu einem bewussteren Surf-Verhalten können Anti-Ablenkungstechniken sein. Sehr hilfreich ist hier z.B. die Pomodoro Technik, die u.a. in der Wikipedia beschrieben ist. Kurz zusammengefasst geht es darum, sich eine Aufgabe vorzunehmen und an dieser konzentriert für 25 Minuten ohne Ablenkung zu arbeiten. Am besten stellt man sich dafür einen Wecker. Dann folgt eine weitere 25minütige Arbeitsphase und wieder 5 Minuten Pause. Spätestens nach vier Arbeitsphasen gibt es dann eine längere Pause. Anstelle eines Weckers gibt es auch zahlreiche Online-Anwendungen, die hierzu genutzt werden können. Diese Technik kann in der Lerngruppe vorgestellt und dann für selbstorganisierte Aufgaben/ selbstorganisiertes Lernen ausprobiert und angewandt werden. Anschließend werden die gemachten Erfahrungen vorgestellt und darüber reflektiert.
  3. Digitale Achtsamkeit mit digitalen Tools:

Ein spielerischer Ansatz um darüber zu reflektieren, wie es ist, wenn man selbst Bestätigung durch Likes auf Social Media Plattformen sucht – und dazu auch bereit ist, reißerische bis hin zu falschen Aussagen zu teilen, ist das Online Tool GetBadNews, das Lernende spielen können – und anschließend von ihren Erfahrungen damit berichten.

Um die Hyperlink-Struktur des Netzes (alles ist mit allem verbunden) zu erkunden, gibt es z.B. Spiele in der Wikipedia. Dieses Tool zeigt Dir etwa den kürzesten ‚Weg‘ zwischen zwei Begriffen. Auch dieses Tool kann zum eigenständigen Erkunden und anschließendem Reflektieren mit Lernenden genutzt werden.

Lernziel 2: Ich kann Informationen kontextualisieren (= ich kann einordnen, was andere dazu meinen)

Um was geht es in diesem Lernziel?

Zur Überprüfung und Einordnung von Online-Inhalten werden häufig Checklisten empfohlen. Beispiele hierfür sind das professionelle Aussehen einer Website, die wissenschaftlichen Sprache oder das Fehlen von Rechtschreibfehlern. Kurz gefasst lautet die Vorgabe: Je ‘besser’ eine Website ist, desto vertrauenswürdiger. Dem ist aus drei Gründen zu widersprechen:

  1. Bedeutungslosigkeit: Solche ‘vertrauenswürdigen Äußerlichkeiten’ lassen sich sehr leicht faken sind also bedeutungslos. Der Checklisten-Ansatz führt zudem noch dazu, dass viele Lernenden anfällig für Regeln sind, die ebenfalls nicht stimmen (z.B. eine .com Endung bei einer Website wird als weniger vertrauenswürdig als eine .org-Endung eingeordnet)
  2. Kompliziertheit: Die intensive Prüfung einer Quelle nach mehreren Kriterien stammt noch aus einer überwiegend analogen Zeit, in der ich z.B. entscheiden musste, welchen von fünf Artikeln ich in meiner Hausarbeit zitieren will. In einer digitalisierten und vernetzten Gesellschaft, in der ich potentiell mit massenhaft und zum Teil auch sehr kurzen Informationen (z.B. ein Social Media Clip) konfrontiert bin, werden Faktencheck-Routinen benötigt, die schnell und einfach sind. Ansonsten lassen es viele Menschen wahrscheinlich eher ganz mit dem Faktencheck …
  3. Einerseits/ anderseits: Checklisten drohen einen zu erschlagen und dazu zu führen, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht: Das eine Kriterium trifft zu, das andere nicht, das dritte kann ich nicht einschätzen … Wie soll da eine Entscheidung getroffen werden? Anders ausgedrückt: Da bei Checklisten Relevanz-Einschätzungen meist fehlen, erschweren sie eher die Entscheidung über die Quelle, anstatt zu helfen.

Wenn Checklisten somit aber nicht hilfreich sind, um eine Nachricht einzuordnen, was lässt sich stattdessen tun?

Lösung: Kontextualisierung

Die Alternativen zu Checklisten sind Handlungsroutinen mit dem Fokus auf Kontextualisierung. Dazu vier konkrete Vorschläge:

  1. ‘Einfach Wikipedia hinzufügen’: Der meist beste Einstig zur Informationsbewertung ist es, einen neuen Tab zu öffnen und in die Suchleiste die URL der Website / den Organisationsname / den Namen der Person eintragen und dahinter Wikipedia zu ergänzen. Wenn es über diese Information etwas Relevantes zu erzählen gibt, dann kann ich mir ziemlich sicher sein, dass es mir mit diesem ‘Wikipedia-Trick’ als Wikipedia-Artikel angezeigt wird. Und nicht nur das: Zugleich erhalte ich Quellen, um das zu überprüfen (Denn natürlich ist nicht alles richtig, was in der Wikipedia steht …). Und auch wenn ich keine Wikipedia-Treffer dazu finde, hilft mir das für die Einordnung.
  2. Reichweite der Information prüfen: Handelt es sich bei dieser Information um eine Einzelmeinung oder berichten mehre davon? Hilfreich zur Beantwortung dieser Frage kann es sein, die Information z.B. auch in eine News-Suche einzugeben (Was gibt es dazu aktuell zu berichten?). Im wissenschaftlichen Kontext kann via Google Scholar überprüft werden, inwieweit ein bestimmter Autor zitiert wird. (Noch einmal: Es bedeutet dann nicht, dass er Recht hat – aber ich habe einen Anhaltspunkt zur Einordnung).
  3. Bilder-Rückwärtssuche: Bei Bildern ist eine Rückwärtssuche oft deutlich einfacher, als eine eigenständige Überprüfung des Bildes an sich. Umso mehr, da sich Fake-Bilder immer professioneller gestalten lassen. Sehr oft hat aber schon irgendwer die Arbeit für mich gemacht – und es gibt über das Bild einen Bericht/ Hintergrundwissen. Oft ist ein Bild auch real, aber wird in einem völlig anderen Kontext wiedergegeben und damit eine falsche Information transportiert. Das lässt sich dann über die Rückwärtssuche leicht herausfinden. (In diesem kurzen Screencast ist die Bilder Rückwärtssuche erklärt, falls Du sie noch nicht kennst)
  4. Zum Ursprung der Information durchklicken: Die meisten Inhalte im Netz sind Erzählungen von jemandem über etwas. Sobald aber über etwas berichtet wird, wird etwas weggelassen/ überspitzt/ verfälscht. Für eine Meinungsäußerung kann das in Ordnung sein. Wenn ich aber erst einmal wissen will, was die eigentliche Information ist, dann macht es das für mich schwierig. Um zum Ursprung einer Information zu gelangen gibt es keinen simplen Trick: Die Technik sollte sein, zu schauen, auf was sich etwas bezieht – und sich dann immer weiter zum Ursprung durchzuklicken. Dieses Innehalten und Rückverfolgen ist gerade in sozialen Netzwerken wichtig, wo sehr viel Erzählungen über etwas und bewusste Zuspitzungen statt ursprüngliche Informationen sind.

Wie lässt sich dieses Lernziel lehren?

Um das Lernziel der Kontextualisierung zu lehren, ist die Vorstellung und häufige Anwendung der oben vorgestellten Handlungsroutinen zu empfehlen. Insbesondere der ‚Wikipedia-Trick‘ bzw. auch eine einfache Internetsuche bei einer bestimmten Meldung, über die man stolpert, kann oft schon sehr viel bewirken, weil es beim Aufbau einer üblichen Praxis hilft.

In diesem Screencast ist der Wikipedia-Trick an einem Beispiel erläutert:

Spielerisch lässt sich das Lernziel z.B. mit Online-Spielen trainieren, in denen bewusst Fake-News vorgestellt werden. Insbesondere der SWR Fakefinder baut direkt zahlreiche Kontextualisierungsmöglichkeiten (z.B. eine Google-.Suche) in das Spiel ein.

Ebenso lassen sich auch eigene Fake News und richtige Informationen von Lernenden in Kleingruppen formulieren. Die jeweils andere Gruppe muss dann herausfinden, was Fake ist und was nicht.

Im Zusammenhang der Kontextualisierung können auch Aufklärungsseiten, wie z.B. die Hoaxmap vorgestellt werden. Diese setzt sich zum Ziel, Gerüchte (in diesem Fall zu Asylsuchenden) zu sammeln, einzuordnen und richtigzustellen. Es zeigt, wie man im Netz in einer Gruppe mit anderen Menschen selbst gegen Falschdarstellungen aktiv werden kann.

Lernziel 3: Ich verstehe, wie Netzkultur tickt und kann selbst beitragen.

Um was geht es bei diesem Lernziel?

Das Verständnis der Netzkultur hat auf den ersten Blick kaum etwas mit dem Thema Fake News zu tun. Ich halte es in diesem Zusammenhang dennoch relevant: Bewusste Fehldarstellungen im Netz bauen oft auf den Möglichkeiten auf, mit denen Netzkultur ansonsten auch oft (und dann meist im positiven Sinne) spielt: Bilder werden remixt und in einen anderen Zusammenhang gestellt, mit der GreenScreen Technik können Menschen vor andere Hintergründe platziert werden, Bilder werden verfremdet und umgestaltet, Videos werden zusammengeschnitten … Eine Person, die diese Praxis vertraut ist, findet es viel naheliegender, dass z.B. ein Screenshot von einem Tweet gar nicht echt ist …

Lösung: Eintauchen und erkunden:

Netzkultur lässt sich am besten verstehen, wenn man in sie eintaucht und sie erkundet. Wunderbar funktioniert das aus meiner Sicht über das Phänomen von Memes, weil sie erstens den Remix und die Verbreitung in der Netzkultur sehr anschaulich zeigen und zweitens ganz einfach mitgemacht werden kann.

Bei Memes handelt sich um aussagekräftige Motive (oft von aktuellen Ereignissen, aus Filmen oder Serien …), die mit Text kombiniert werden und so neue Bedeutung erhalten. Im Internet werden manche Bilder wieder und wieder mit anderen Texten kombiniert – und auf diese Weise immer spaßiger. Ein sehr bekanntes Meme ist z.B. das ‚Distracted Boyfriend Meme‘ – hier ein Remix von mir, dessen dargestellte Situation wohl vielen bekannt ist:

Während dieses Bild für sich allein zwar wahrscheinlich verständlich ist, entsteht der Spaß bzw. der Witz daran erst dadurch, dass es dieses Bild im Netz millionenfach mit immer anderen Bezeichnungen gibt.

Damit aber zurück zum Thema Fake News: Memes verändern zwar noch keine Bilder. Sie nehmen sie aber auf und stellen sie immer wieder in andere und unterschiedliche Zusammenhänge. Meine These ist deshalb: Wer Memes versteht, wird auch bei Fake News aufmerksamer schauen, ob hier ein Bild/ ein Zitat/ ein Videoschnipsel bewusst in eine andere und dann verfälschende Perspektive gesetzt wurde.

Wie lässt sich dieses Lernziel lehren?

Ich habe es oben schon angedeutet: Der beste Weg, um zu verstehen, wie ‚Netzkultur‘ tickt, ist es, diese zu erkunden. Das lässt sich auch mit Lernenden machen. Die oben vorgestellten Memes sind hierzu ein guter Weg.

Wer eine – auch mit Schüler*innen gut zum Einstieg zu nutzende – Erläuterung zu Memes sucht, dem hilft vielleicht dieser Clip. (Natürlich wissen Schüler*innen eigentlich sehr genau was Memes sind. Darüber bewusst reflektiert, haben aber wahrscheinlich die wenigsten)

Eine sehr spaßige Seite mit zahlreichen Templates (leider aber auch mit Tracking), ist ImgFlip. Ganz datenschutzkonform lassen sich Memes mit MeinMeme erstellen. Hier müssen Bilder aber selbst hochgeladen werden.

Wer direkter zu Falke News arbeiten möchte, kann Lernende selbst FakeNews in unterschiedlichen Formaten erstellen lassen. Etwa einen gefakten WhatAppChat (oder einen Fake eines anderen Social Media Tools) oder eine gefakte Nachrichtenseite. Erlernt wird dabei, wie ‚einfach‘ das Fälschen im Netz ist. Zugleich können solche Übungen natürlich auch mit sonstigen Lerninhalten verbunden werden. Das bedeutet: Wer gerade das Buch Momo liest, könnte diese mit Gigi Fremdenführer chatten lassen, nachdem sie von Meister Horo zurück kommt. Ihre erste Nachricht wäre dann z.B. ‚Hallo Gigi, wo seid ihr denn alle? Ich vermisse Euch‘.

Noch viel mehr Netzkultur-Spielereien findest Du auf der Plattform Internetquatsch.

Lernziel 4: Ich kann ein Problem aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und Fragen stellen.

Um was geht es bei diesem Lernziel?

Als Pädagog*innen neigen wir dazu ‚die Welt zu erklären‘. Da Lernende aber immer wieder auf neue Herausforderungen stoßen ist es eine mindestens ebenso wichtige Aufgabe, dabei zu unterstützen, dass sich Lernende selbst die Welt erklären können. In einer komplexen Welt ist dazu komplexes Denken erforderlich.

In Bezug auf Falke News ist komplexes Denken von Bedeutung, weil Lernende damit eine fragende/ erkundende Haltung einnehmen in Bezug auf Informationen, die auf sie einströmen – und dazu in der Lage sind, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und zu verstehen.

Lösung: Komplexes Denken

Sehr gut wird komplexes Denken aus meiner Sicht im so genannten ‚Manifest des langsamen Denkens‘ zusammengefasst. Demnach sind hier vier Orientierungen wichtig:

  • Fragen vor Antworten
  • Beobachten vor Bewerten
  • Perspektivwechsel vor Standpunkt
  • Selbstreflexion vor Fremdkritik

In Lernprozessen sollte es das Ziel sein, diese Orientierungen vorzuleben und anzuwenden.

Wie lässt sich dieses Lernziel lehren?

Um komplexes Denken zu lehren, sind aus meiner Sicht vor allem Perspektivwechsel-Methoden hilfreich. Ein paar Vorschläge dazu stelle ich hier vor:

  • Peer-to-Peer Methoden: Perspektivwechsel lässt sich zunächst gut in der eigenen Lerngruppe trainieren. Dazu sind alle Methoden hilfreich, bei denen Lernende andere Lernende befragen statt nur selbst Antworten zu geben. Für die Erwachsenenbildung habe ich dieses Prinzip kürzlich in Form eines Abschluss-Bingo entwickelt, bei dem Lernende sich gegenseitig Fragen stellen können. Dies lässt sich auch für den Schulbereich leicht anpassen.
  • Zusammenfassung von Lernergebnissen aus unterschiedlichen Perspektiven: Eine sehr wertvolle Methode finde ich die ‚Perspektiven-Zusammengassung‘, die sich für praktisch jeden Lerninhalt eignet. Anstatt einen Inalt zusammenzufassen, erhalten Lernende (am besten in Kleingruppen) Rollenkarten und die Aufgabe, das Thema aus der Perspektive der auf der Rollenkarte beschriebenen Person zusammenzufassen. Beim Thema ‚Deutsvhe Wiedervereinigung‘ kann das z.B. eine Person aus dem Osten, eine aus dem Westen, eine aus Frankreich und ein Politiker sein.
  • Dreier-Gipfel: Für unterschiedliche Themen verwendbar ist der so genannte Dreier-Gipfel, der vor allem Fragen stellen und achtsames Zuhören schult. Er passt immer dann, wenn gemeinsam etwas erarbeitet werden soll. In einer Kleingruppe gibt es hier drei Rollen: eine schreibende Person, eine antwortende Person und eine fragende Person. Die fragende Person interviewt die antwortende Person zu einem Thema. Die schreibende Person notiert/ visualisiert zunächst unsichtbar für das fragende/ antwortende Team. Am Ende betrachten alle gemeinsam die Aufzeichnungen. Die Rollen können auch gewechselt werden.
  • Tools: Um aufzuzeigen, dass etwas mit etwas anderem zusammenhängt können Visualisierungen mit dem Kreislauftool oder dem Emojisimulator erstellt werden. Die Website fragen.xyz präsentiert auf jeden Klick Zufallsfragen, die kritisches Denken anregen und auf unterschiedliche Themen angewandt werden können.
Nele Hirsch

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